Integration geht durch den Magen

Kochkurs auf "Persisch"

Die Idee, einen Kochkurs mit Köchen unterschiedlicher Nationalitäten anzubieten, schwebte beim Arbeitskreis Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim schon länger im Raum. Im Dezember 2016 wurde sie zum ersten Mal - aber bestimmt nicht zum letzten Mal - umgesetzt. Die 15 Teilnehmer des Kochkurses fanden sich durch intensive Werbung. Es waren Flyer erstellt und unter anderem bei einem Kongress in Königstein verteilt worden. Die restlichen Teilnehmer wurden durch persönliche Ansprache gewonnen.

In den privaten Räumen eines Teilnehmers wurde mit tatkräftiger Unterstützung persisch gekocht. Ein iranisches Ehepaar, das vor 3 Jahren nach Deutschland geflüchtet und inzwischen anerkannt ist, vermittelte mit viel Freude und Motivation, wie und was man im Iran kocht.

Der Kochkurs begann am späten Nachmittag. Die Kochrezepte für zum Beispiel Geflügel mit Walnusssoße, Auberginenpüree oder Gurken mit Joghurt und Nüssen wurden während des Kochens notiert und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt. Neben bekannten Zutaten wie Knoblauch, Auberginen und Tomaten kamen auch exotischere Genüsse zum Einsatz, z. B. ein ganz bestimmter Granatapfelsirup. Wie Walnüsse in einer Soße oder zusammen mit Gurken und Joghurt schmecken können, ist für den europäischen Gaumen wirklich interessant. Die Augen essen ja bekanntlich mit - und so war nicht nur alles sehr schmackhaft, sondern sah auch gut aus.

Beim gemeinsamen Essen vertieften sich die Kontakte und alle waren sich einig, dass es ein gelungener Abend war: Essen, das glücklich macht, interessante Gespräche, Einblicke in eine fremde Kultur, neue Freunde.

 

Die gute Nachricht: Die Kochkurse werden fortgesetzt. Die nächsten Termine stehen schon fest:

27.1.2017, 17.00 bis ca. 21.00 Uhr Syrische Küche,
Kosten EUR 35,00 inkl. Getränke

25.3.2017, 17.00 bis ca. 21.00 Uhr Eritreische Küche,
Kosten EUR 25,00, exkl. Getränke

Anmeldung über Salomé Korschinowski

 

Demokratie kennenlernen

Besuch  des Hessischen Landtages in Wiesbaden

In der Vorweihnachtszeit besuchten 35 Flüchtlinge aus Kelkheim-Ruppertshain den Hessischen Landtag in Wiesbaden. Dies bot ihnen eine Gelegenheit, Inhalte und Bedeutung der Demokratie in Deutschland kennenzulernen. Begleitet wurden die Flüchtlinge aller Altersgruppen von fünf ehrenamtlichen Helfern.

Für den Besuch im Hessischen Landtag hatte Ende November ein Vorbereitungstreffen stattgefunden, an dem fast 40 Personen aus den Gemein­schafts­unter­künften in Kelkheim-Ruppertshain teilnahmen. Organisiert wurde die Fahrt von Salomé Korschinowski, Anna-Brigitte Haars und Wolf-Dieter Hasler vom Arbeitskreis Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim.

Das Projekt wurde durch eine Spende der DekaBank Deutsche Girozentrale im Rahmen des Engagements des Unternehmens für Flüchtlinge finanziert.

Die einstündige Führung im Hessischen Landtag, die von Wolf-Dieter Hasler organisiert wurde, fand in deutscher und englischer Sprache statt. Es wurden u.a. der Plenarsaal und die repräsentativen Räume des Stadtschlosses besichtigt.

Für Fragen stand die Landtagsabgeordnete und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser zur Verfügung.

Der Ausflug nach Wiesbaden endete mit einem Besuch des Weihnachtsmarktes.

Als weiterer Baustein des Projektes „Demokratie erleben“ ist im nächsten Jahr eine Fahrt zum Hambacher Schloss vorgesehen.

 

Deutschkurse in Kelkheim

Guten Tag, ich heiße ...

Wie ist das, in Deutschland zu leben, ohne die Sprache zu verstehen? Vielleicht noch nicht einmal die Schrift lesen zu können, weil in der Schule eine andere Schrift gelernt wurde? Oder wenn jemand gar nicht schreiben und lesen kann?

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie viele Schwierigkeiten Menschen dadurch im täglichen Leben haben. Das beginnt beim Einkaufen oder beim Arztbesuch und endet noch nicht bei Formularen oder Schreiben vom „Amt“, die auch für uns Deutsche ihre Tücken haben. Hinzu kommt: Um in Deutschland arbeiten zu können, ist ein bestimmtes Sprachniveau erforderlich.

 

Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf einen bezahlten Deutschkurs. Das dauert aber manchmal so seine Zeit. Bis es soweit ist, bietet die Flüchtlingshilfe Kelkheim kostenlose Deutschkurse an. Dabei unterstützen die Kirchen­­gemeinden und die Stadtverwaltung. Sie stellen u. a. kostenlose Räume zur Verfügung. Unterstützung geben zudem Vereine oder Privatpersonen, die Material und Geld für den Unterricht spenden oder ihre Freizeit schenken. Den Deutschunterricht gestalten Ehrenamtliche. Pädagogische Fähigkeiten sind wichtig, mindestens genauso wichtig ist, Menschen zu mögen und sie erst einmal so zu nehmen, wie sie sind.

Am ersten Kurstag wird zunächst immer festgestellt, welche Fähigkeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben, z.B. hinsichtlich:

· der Sprache: Welche Sprache sprechen sie?

· des Alphabets: Beherrschen sie das eigene bzw. das lateinische Alphabet oder müssen sie es noch lernen?

· der zusätzlichen Sprachen: Sprechen sie Englisch oder schon etwas Deutsch?

 

Die Flüchtlingshilfe Kelkheim bietet – so weit möglich - auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgerichtete Kurse an. Der Unterricht erfolgt in ganz Kelkheim auf Basis des gleichen Buches, sodass ein Flüchtling auch an mehreren Kursen teilnehmen kann. Zusätzlich gibt es einige Ehrenamtliche, die Alphabetisierung anbieten. Im Kurs erfolgt die Verständigung teilweise auf Englisch, teilweise mit Bildern und teilweise durch gegenseitige Übersetzung. Das ist manchmal ziemlich lustig – es wird viel zusammen gelacht. Der Deutschunterricht fördert nicht nur das Lernen einer neuen Sprache, sondern vermittelt auch Wissen über das Leben in Deutschland. Das geht von der Mülltrennung über Weihnachten bis zum demokratischen System und den Grundrechten.

Durch die regelmäßigen Treffen werden die Kontakte untereinander vertieft. So entwickeln sich Freundschaften zwischen Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen. (abh)

 

In den Ferien mit Spaß lernen

Kelkheimer Flüchtlinge entdecken Frankfurt!

„Kreuz und quer durch Mainhattan“ war das Motto einer Stadtrallye durch Frankfurt für jugendliche Flüchtlinge aus Kelkheim-Ruppertshain in den Herbstferien, die vom Arbeitskreis Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim organisiert wurde.

In Frankfurt angekommen, wurde an der Paulskirche gestartet. Hier wurden zwei Teams gebildet, die ausgestattet mit Stadtplan, Kamera sowie Aufgabenbogen in deutscher und arabischer Sprache auf Erlebnistour gingen. In der Paulskirche gab es eine kleine Führung zur historischen und heutigen Bedeutung. Sodann galt es die erste Aufgabe zu lösen: Wie viele Fahnen hängen hier insgesamt? Es wurde gezählt: 16 Bundesländer, die Fahne der Stadt Frankfurt und die Deutsche Fahne - also 18 Fahnen? Nein - es sind 36, denn die Fahnen hängen doppelt!

Weiter ging es zum Römerberg mit den nächsten Fragen: Wie heißen die vier Könige, welche Farbe hat die rausgestreckte Zunge des Adlers? Am Eisernen Steg wurde das Jahr mit dem höchsten Wasserstand gesucht und gleich auf der Brücke mit Hilfe von Fingern die Jahreszahl dargestellt und auf einem Foto dokumentiert. Weiter ging es zum MMK - was ist das? Das Museum für Moderne Kunst. Die nächste Frage betraf die Kleinmarkthalle: Was wird am Stand Nr. 54 verkauft? Und dann zum Schluss die Frage: Wo kam der berühmteste deutsche Dichter auf die Welt? Im Goethe-Haus.

Das Siegerteam wurde mit einer Schokoladenmedaille gekürt. Für alle war es ein spannender und lehrreicher Nachmittag in „Mainhatten“. (kr)

 

Informationsveranstaltung zur Massenanmeldung

Vorbereitung auf  Büdingen

Am Montag, den 19. September 2016, hatten alle Flüchtlinge die Möglichkeit an einer Informationsveranstaltung zum Thema „Anmeldung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)“ teilzunehmen. Es wurde über den regulären Ablauf, die zu erwartenden Fragen und die möglichen Missverständnisse informiert, um am nächsten Tag eine aktuelle Orientierung zu haben. Fakten und Gesetze wurden von vier Dolmetschern in fünf Sprachen übersetzt. Die Referentin, Flüchtlingsberaterin von Beruf, hatte sich spontan bereit erklärt, diese Informationsveranstaltung vor Ort möglich zu machen.

Alle hörten intensiv zu, schrieben mit, stellten Fragen. Die Veranstaltung beschränkte sich auf allgemein sachliche Informationen, individuelle Hilfestellung wurde nicht geleistet. So waren die Betroffenen gut vorbereitet auf diesen wichtigen Tag.

 

Seit ungefähr einem Jahr leben viele Flüchtlinge in Deutschland. Sie sind den Kommunen zugewiesen worden und dort gemeldet. Sie leben z.B. im Main-Taunus-Kreis und wurden bislang nicht regulär vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erfasst. Deshalb werden jetzt Massenanmeldungen der noch nicht beim BAMF registrierten Personen, unter anderem des Main-Taunus-Kreises, vorgenommen.

Für die in Kelkheim wohnenden betroffenen Personen war es am Dienstag, den 20. September 2016, so weit. Etwa 80 Personen waren zur Anmeldung bei einer BAMF-Außenstelle nach Büdingen geladen. Schon sehr früh morgens wurden die Flüchtlinge abgeholt. Die Sozialarbeiter der verschiedenen Gemeinschaftsunterkünfte in Kelkheim waren mit vor Ort, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Sogar Bürgermeister Albrecht Kündiger erschien vor Abfahrt der Kelkheimer Neubürger und verabschiedete sie zu dieser für sie doch so wichtigen Fahrt.

Den Helferinnen und Helfern der Flüchtlingshilfe Kelkheim, den Sozialarbeitern und Sozialverbänden war vor Abfahrt nicht bekannt, was genau bei dieser Massenanmeldung geschehen würde. Weder war bekannt, wie lange die Personen in Büdingen verbleiben würden, noch ob nur das "kleine Interview" oder das "große Interview" stattfinden würde. Alle Eingeladenen waren darüber informiert, sich auf einen möglicherweise dreitägigen Aufenthalt dort vorzubereiten, was für alle, aber besonders für Familien mit Kindern, eine sehr wichtige Information ist, denn entsprechend musste gepackt werden.

Die Eingeladenen waren einerseits froh, dass sie jetzt endlich registriert werden sollten (in einigen Familien hatten Mitglieder schon seit geraumer Zeit ihre Anerkennung und den entsprechenden Ausweis, andere Familienmitglieder hingegen waren bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal registriert und deshalb zu dieser Massenanmeldung geladen). Andererseits waren alle entsprechend nervös, denn diese Tage könnten zukunftsentscheidend sein.

 

Ehrenamtliche Helfer organisierten gemeinsame Aktivitäten

Sommerferien in Kelkheim-Mitte

Die Sommerferien nahm der Arbeitskreis Kelkheim Mitte der Flüchtlingshilfe Kelkheim als Gelegenheit für gemeinsame Aktivitäten ganz unterschiedlicher Art. Den Anfang bildete das Nachbarschaftsfest. Hierzu waren die Nachbarn der Gemeinschaftsunterkunft Kelkheim Mitte eingeladen. Helferinnen und Helfer hatten für Getränke gesorgt und Spielangebote für die Kinder vorbereitet. Die Flüchtlinge hatten süße und salzige Leckereien gebacken, die Tische im Hof waren mit Blumen dekoriert, und so konnten es sich alle unter dem Schatten spendenden Baum gutgehen lassen und kamen miteinander ins Gespräch. Auch wenn nur sehr wenige Nachbarn der Einladung gefolgt waren, waren sich doch am Ende des Tages alle einig: Es war eine gute Idee, die wir wiederholen wollen.

Für den Ausflug zum Spielplatz in Liederbach hatte jede Familie Essen und Getränke für das Picknick eingepackt. Nicht nur die Kinder waren begeistert von den großen Rutschbahnen und den vielen Spielmöglichkeiten, auch die Erwachsenen haben sie mit Begeisterung getestet und werden diesen Ausflug sicher nochmal auf eigene Faust wiederholen.

Der Besuch des Frankfurter Museums Experiminta war ein Höhepunkt. Nach anfänglichem Zögern – schließlich konnte sich niemand so genau vorstellen, was ihn erwartete - war die Begeisterung groß. In dem Mitmach-Museum mit verschiedenen Experimentierstationen zum Ausprobieren gab es für alle Gelegenheit zum Fragen, Forschen und Begreifen.

An einem Ausflug zum Gimbacher Hof nahmen 16 Erwachsene und 7 Kinder teil. Für die Kinder war natürlich wieder der Spielplatz der wichtigste Teil, für die Erwachsenen waren es Gespräche. Einig waren sich alle: Es war ein gelungener Ausflug.

Nun - nach den Sommerferien - kennen die Flüchtlinge ein bisschen mehr von ihrer Umgebung und haben sich auch untereinander besser kennengelernt. Und nicht zuletzt gab es viele Gelegenheiten, das bisher in den Deutschkursen Gelernte untereinander und in den Gesprächen mit den Helferinnen und Helfern anzuwenden.

 

Ausflug zur Roten Mühle

16 Uhr an einem Donnerstagnachmittag im August. Es ist immer noch heiß. Eine bunt gemischte Menschengruppe trifft sich im Schatten des Waldparkplatzes beim Fischbacher Sportplatz. Alt und jung, Männer und Frauen, mit und ohne Kopftuch, mit dunkler und mit heller Haut und mit Kinderwagen. Sie wollen gemeinsam zur Roten Mühle wandern. Der Arbeitskreis Fischbach der Flüchtlingshilfe Kelkheim hat die Bewohner der lokalen Gemeinschaftsunterkünfte zu einem Ausflug eingeladen.

„Lucy, komm her!“, ruft ein Junge. Er möchte gerne den Hund, den eine Frau mitgebracht hat, an der Leine führen. Als die Familie noch im Iran lebte, hätten sie auch Hunde gehabt, erzählt er stolz. Zwei weitere Jungen drängeln, sie möchten auch mit dem Hund spazieren gehen. Ein Mädchen möchte den Hund anfassen. Laut plappernd und gut gelaunt macht sich die Gruppe auf den Weg.

Am Reis kommen sie an den Obstbäumen vorbei und eine Helferin erklärt, dass im Herbst die Äpfel geerntet werden. Dann könne man einen wunderbaren, frisch gepressten Apfelsaft trinken. Die Kinder finden einen Tennisball und spielen mit dem Hund. Die Erwachsenen genießen den Blick in die Ferne.

In der Roten Mühle werden sie von Pächterin Rita Krummel begrüßt. Sie hat die Geflüchteten und die Helfer zu einem hessischen Buffet eingeladen. Im Pavillon wartet bereits das Essen: Spundekäs, Brezel, Brot, Grüne Soße, Tafelspitz und vieles mehr. Rita Krummel hat darauf geachtet, kein Schweinefleisch und keinen Speck zu verwenden, damit alle, ungeachtet ihrer Religion, das Essen genießen können.

 

Krummel selbst kam vor 20 Jahren als 12-Jährige aus der Ukraine nach Deutschland. Sie weiß, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen und dort Fuß zu fassen. Als sie letztes Jahr von den vielen Flüchtlingen erfuhr, kam in ihr der Gedanke auf, auch etwas zu tun. Bei einer Spielzeugspende wollte sie es nicht belassen. Und als Gastronomin erschien es ihr am einfachsten, die Menschen zu einem guten Essen einzuladen.

 

Ein 16jähriger Afghane lobt denn auch die Speisen: „Mir haben das Fleisch, der Spundekäs und die Eier am besten geschmeckt.“ Seine Mutter ergänzt: „Aber auch die Salate waren gut.“ Den Kartoffelgratin und die Grüne Soße findet ein junger Somalier besonders lecker.

Gute zwei Stunden später, mit vollen Bäuchen, geht es wieder nach Hause. Einige Mütter und kleine Kinder werden von Helfern mit dem Auto zurück nach Fischbach gefahren. Die anderen laufen zu Fuß. Die Organisatoren des Arbeitskreises freuen sich über den gelungenen Tag. „Alle hatten viel Spaß beim Laufen und Essen. Bei der Rückfahrt haben die Kinder im Auto lauthals gesungen.“ Für die Statistik: Es waren 30 Erwachsene, 18 Kinder und ein Hund dabei. (brh)

 

Integration kennt keine (Sommer)ferien

Gemeinsame Aktivitäten in Ruppertshain

Der Arbeitskreis (AK) Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim hatte für Kelkheimer Bürger und Bürgerinnen und die im Ort lebenden Flüchtlinge ganz unterschiedliche Begegnungen in den Sommerferien ermöglicht.

Sommerferien sind für viele Familien eine besondere Zeit. Sie nutzen sie, um etwas gemeinsam zu unternehmen; mit der Familie, mit Freunden, zu Hause oder im Ausland. Viele von uns finden es spannend, in andere Kulturen einzutauchen. Aber ist es immer notwendig, dafür ins Ausland fahren? Vieles bleibt auf der Oberfläche haften, wenn es um „fremdländische“ Gebräuche geht oder diese nur Vorführungen für Touristen sind. Es geht auch zu Hause, mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen zusammen in die jeweils andere Kultur einzutauchen.

Bei einem Besuch im Palmengarten wurden gemeinsam Pflanzen entdeckt, die hier bekannt sind. In der Heimat der Flüchtlinge wachsen sie ganz einfach so in der Natur. Hier gedeihen sie im Wohnzimmer - manchmal mit viel Zuwendung, um am Leben zu bleiben. Es gab viele Gespräche zwischen Pflanzenkennern unterschiedlichster Nationalität, nicht nur über Pflanzen.

An einem anderen Tag wanderten Helfer des AK Ruppertshain gemeinsam mit Flüchtlingen bei tollem Wetter von Ruppertshain zum Naturfreundehaus Billtalhöhe. Mit einem umfangreichen Picknick stärkten sich alle für den Rückweg und genossen syrische Teigtaschen und deutschen Kuchen, auch für Getränke war ausreichend gesorgt. Einige Flüchtlinge sind gleich am Wochenende erneut gewandert, weil sie diesen Brauch so schön finden.

Eine weitere Aktion richtete sich speziell an die Kinder der Flüchtlinge. Der Plan war, dass einige Ehrenamtliche gemeinsam mit den Kindern kochen. Die Kinder lernen dabei einfache Gerichte kennen und können sie dann vielleicht sogar selbst zubereiten. Die Eltern der Kinder waren gar nicht eingeplant. Und doch kamen sie zusammen mit den Kindern und brachten sogar noch einen erwachsenen Gast mit. Gekocht haben dann die Erwachsenen und die Kinder haben draußen gespielt. Für uns Ehrenamtliche war es eine Herausforderung, den Plan einfach fallen zu lassen, situativ zu reagieren und uns über das zu freuen, was gerade passiert. Denn: Es hat allen geschmeckt und alle hatten Spaß bei Waffeln, selbstgemachten Tacos, Beilagen und Obstsalat. Und man war sich einig: Das war es eine gelungene Aktion!

Nun sind die Ferien vorbei. Der AK Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim hat sie gut genutzt, damit sich Helfer und Flüchtlinge noch besser kennen lernen. (abh)

 

Familien-Highlight in den Ferien

Ein Tag im Opel-Zoo

Kurz vor den Sommerferien erarbeitete eine kleine Gruppe von Helfern des Arbeitskreises Münster einen „Ferienplan“ für die Flüchtlingskinder. Als ein besonderes Highlight war für den 4. August ein Ausflug zum Opel-Zoo vereinbart. Kein Mensch dachte daran, dass es an diesem Tage wie aus Eimern würde regnen können!

Leider war es dann so. Doch kaum einer ließ sich davon abhalten: Viele der eingeladenen Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte Münster und der ehemaligen Mitte 2 waren schon vor den Helfern am Rathaus und warteten voller Ungeduld. Ein angemieteter Bus brachte die insgesamt 21 Kinder und 42 Erwachsenen zum Opel-Zoo. Dort strömten dann alle durch den Eingang, gut ausgerüstet mit allem, was man so braucht: Essen, Trinken und vor allem mit Schirm! So ging es auf Entdeckungstour. Zwischendurch gab es Zeit für eine Rast, und viele der Flüchtlinge hatten landestypische Snacks vorbereitet - nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Helfer. Erwachsene wie Kinder waren von den Tieren, die sich gerne von ihnen mit Karotten und speziellem Tierfutter füttern ließen, begeistert. Manche hatten z.B. noch nie einen Elefanten gesehen. Auch die Spielgeräte, insbesondere das Bällebad, wurden begeistert genutzt. Gute fünf Stunden dauerte der Ausflug, welcher allen Teilnehmern trotz ständig wiederkehrenden Regens eine erlebnisreiche Abwechslung zum Alltag bescherte.

Ermöglicht wurde dieses schöne Erlebnis u.a. durch die Großzügigkeit des Busunternehmens Bettenbühl, das die Gruppe zu einem besonders günstigen Preis sicher hin und zurück brachte. (pna)

 

„Du & Ich“-Tag in Kelkheim

Erstmalig auch Stand der Flüchtlingshilfe Kelkheim

Beim diesjährigen Kelkheimer „du&ich für mehr Miteinander“, einer Veranstaltung der Stadt Kelkheim in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Einrichtungen und Initiativen, war zum ersten Mal auch die Flüchtlingshilfe Kelkheim mit einem Stand auf dem Marktplatz der Neuen Mitte Kelkheim vertreten.

Auf zwei Plakaten waren Bilder über die Arbeit mit den Flüchtlingskindern ausgestellt, und die regelmäßig an dieser Stelle unserer Webseite präsentierten "Einblicke" standen in einem Ordner zum Durchblättern parat. Interessierte konnten Kontakte für eine mögliche ehrenamtliche Mitarbeit  in der Flüchtlingshilfe knüpfen oder sich für den Newsletter anmelden, und natürlich lag auch der aktualisierte Flyer zum Mitnehmen aus.

Darüber hinaus wurden einige Exemplare von ‚Grenzenlos‘ verkauft, einem Kochbuch mit Gerichten und Geschichten von Flüchtlingen, das im Rahmen des Junior-Projekts der Eichendorffschule Kelkheim in Regie des Schülerunternehmens „recigees“ entstanden war. 

Auch einige der Nachbarstände engagierten sich zum Thema Flüchtlinge. So verkauften Frankfurter Mitglieder von „Enactus“, einer studentischen Non-Profit-Organisation, Gegenstände, die gemeinsam mit Kelkheimer Flüchtlingen im Projekt „HeimArt“ entstanden waren (s. unten). Am Stand des Ausländerbeirats las die Kelkheimer Autorin Birgit Gröger aus ihrem gerade neu erschienenen Buch über ein syrisches Flüchtlingskind vor. Einen besonderen Kaffeegenuss gab es am Stand der Schülerbetreuung „Lichtblick“, wo eritreische Frauen eine Kaffeezeremonie vorführten. Die Flüchtlinge ihrerseits halfen nicht nur beim Auf- und Abbau des Stands, sondern sorgten auch für Stimmung durch Gesangs- und Musikeinlagen auf der offenen Bühne. (pna)

 

Gemeinsam aktiv

Pflanzen, fegen, streichen in Ruppertshain

„Die meisten der Flüchtlinge, die in Ruppertshain leben, fühlen sich hier sehr wohl und möchten sich deswegen auch engagieren", so Salomé Korschinowski, Koordinatorin des Arbeitskreises Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim.

Am Samstag, den 9. Juli 2016, war es soweit: Ausgerüstet mit Müllsäcken, Hacken und Besen traten ungefähr 30 Flüchtlinge mit Ruppertshainer Bürgern zu einer gemeinsamen Aktion an. So wurde die Außenanlage der Unterkunft der Flüchtlingsunterkunft von Unkraut befreit, gesäubert und neue Pflanzen gesetzt, wie zum Beispiel Rosen und Hortensien. Der Gemeinschaftsraum wurde komplett ausgeräumt und die Wände neu gestrichen. In der Kirche wurde der Raum, in dem die Deutschkurse stattfinden, in ein frisches "Mandarin" gebracht. Die gesamte Außenanlage wurde gesäubert und Unkraut gezupft. Weiter ging es entlang der Robert-Koch-Straße bis in den Wald. Es wurde gefegt sowie Papier und Zigarettenkippen eingesammelt.

"Wir wollen, dass Ruppertshain immer schön ist und unseren Beitrag leisten", so einer der Flüchtlinge. "Es war anstrengend, aber wir tun das gerne immer wieder." Zum Schluss konnten sich alle beim Sommerfest des Jugendtreffs stärken und weitere Kontakte knüpfen. "Das soll keine einmalige Aktion gewesen sein", resümierte Salomé Korschinowski. Noch in diesem Jahr soll es weitere Aktionen geben. (akh)

 

Nach Erfolg beim Staufen-Lauf:

Mahdi Afzali startete beim SkyRun in Frankfurt

Anlässlich des Staufenlaufs (s. unten) hatte Michael Lederer, der Race-Director des SkyRuns in Frankfurt, Mahdi Afzali spontan zur Teilnahme an der 10. Auflage dieses spektakulären Events im Messeturm eingeladen. Am 12. Juni 2016 war es dann soweit. Zusammen mit mehr als 400 gemeldeten Teilnehmern machte sich Mahdi Afzali auf den Weg, die 61 Stockwerke, 1202 Stufen oder 222 Höhenmeter des Wahrzeichens der Frankfurter Messe zu bezwingen. Mit am Start war auch die internationale Elite der Treppenläufer.

In einem spannenden Rennen siegte Dr. Christian Riedel (Erlangen) in der neuen Rekordzeit von 6:25,5 Minuten knapp vor dem Polen Piotr Lobodzinksi. Sehr beachtlich schlug sich der junge Afghane Mahdi Afzali, der seit ein paar Monaten mit seiner Familie in Kelkheim wohnt. Obwohl er bisher keine Erfahrungen mit solchen Läufen sammeln konnte, erzielte er die hervorragende Zeit von 9:38,5 Minuten. Mit dieser Zeit erreichte er den 57. Rang unter allen Teilnehmern und den 7. Platz in seiner Klasse. Die Erfahrungen mit einem solchen Event der Spitzenklasse motivieren Mahdi, zukünftig regelmäßig an Läufen in der Region teilzunehmen. (pm)

 

Flüchtlinge treffen die Polizei

Migrationsbeauftragte der Polizei erläutern ihre Arbeit

Neun Stühle für die Referenten, gegenüber im Halbkreis fast hundert Stühle für die Zuschauer. So präsentiert sich am frühen Nachmittag das Bürgerhaus Fischbach am Freitag, 10. Juni. Die Stadt Kelkheim hat die Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte, insbesondere aus Fischbach und Ruppertshain, zu einer Präventionsveranstaltung der hessischen Polizei eingeladen. Und viele sind gekommen, teils zu Fuß, teils mit dem Bus. Hauptziel der Veranstaltung ist es, Ängste vor der Polizei bei den Geflüchteten abzubauen. Deshalb betont Jörg Schmidt, Leiter der Polizeistation Kelkheim, als er sich vorstellt: „Wir sind für die Bürger da.“ Er lädt die Zuhörer auch ein, bei Bedarf persönlich vorbeizukommen.

Petra Bliedtner, Koordinatorin der Stadt Kelkheim für Flüchtlingsfragen, eröffnet als Organisatorin die Veranstaltung. Bürgermeister Albrecht Kündiger heißt die Migranten herzlich willkommen und betont, dass es wichtig sei, hier am Leben teilzuhaben und schnell Deutsch zu lernen.

 

Eigene Erfahrungen als Flüchtling bringt Maasuma Sultani mit, eine junge Afghanin, die nun als Streifenbeamtin ihren Dienst verrichtet. Sie kam mit vier Jahren nach Deutschland und hat damals in der Gemeinschaftsunterkunft in Ruppertshain gelebt. Sie sagt: „Sofern Sie die Sprache beherrschen, sind Ihnen keine Grenzen gesetzt.“

Ein ganzes Stück älter war Abdellah Amrough, als er nach Deutschland kam. Der damals 28jährige Marokkaner lernte Deutsch und studierte Chemie. Jetzt arbeitet er bei der Polizei als Migrationsbeauftragter für das Gebiet Westhessen. Auch für ihn ist klar: „Jeder hat eine Chance. Man kann etwas erreichen.“ In seinem Vortrag spricht er über die Religionsfreiheit, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie den Respekt der Menschen untereinander. „Jeder soll jeden respektieren“, stellt er klar.

Beispielhaft umarmt Amrough, der Muslim, seinen Kollegen Waldemar Regner, den Christen. Auch Regner arbeitet als Migrationsbeauftragter. Er ist in Kasachstan geboren und hat in der Integrationsklasse Deutsch gelernt. Regner weist in seiner Rede daraufhin, dass „Deutschland ein demokratischer Rechtsstaat ist. Hier sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich, egal welche Hautfarbe sie haben.“ Ferner betont er, dass die Polizei hier an Recht und Gesetz gebunden sei. Ihr Verhalten könne überprüft werden. Ein weiterer wichtiger Punkt im Vortrag ist der Unterschied zwischen Militär und Polizei. Das Militär schütze die Außengrenzen, so Regner, während die Polizei im Binnenland für Sicherheit sorge.

 

Vor Ort tätig und zuständig für die Organisation rund um die Gemeinschaftsunterkünfte ist Christian Schmidt, Schutzmann bei der Polizeidirektion Main-Taunus. Er spricht den Fastenmonat Ramadan an, der zurzeit abgehalten wird. „Niemand verbietet Euch, nachts zu essen“, sagt er. „Aber nehmt bitte Rücksicht auf die anderen Bürger, die am Morgen zur Arbeit müssen.“ Kochen und essen sollte die anderen nicht bei ihrer Nachtruhe stören. „Die Freiheit des Einzelnen hört auf, wo die Freiheit des anderen beginnt.“

Dann erzählt er zum Abschluss von seinen eigenen Erfahrungen, als er vor Jahren in die Robert-Koch-Straße musste, um dort in der Gemeinschaftsunterkunft ein Schriftstück abzugeben. Als er kam, standen viele Türen offen. Doch statt ihm bei der Suche nach dem Empfänger zu helfen, schlossen die Bewohner ängstlich ihre Türen. Nur ein kleiner Schulbub kam auf ihn zu. Heute hilft dieser, inzwischen Gymnasiast, als Integrationslotse anderen Flüchtlingen. (brh)

 

Unterstützung für die Kleinen

Kinder setzen sich für Kinder ein

Den Wunsch der Kinder in den Kirchengemeinden hat Stefanie Berger, Gemeindepädagogin in der Paulusgemeinde und in der Ev. St. Johannesgemeinde Fischbach, aufgegriffen und das vergangene Jahr während der Kindergottesdienste für die Flüchtlingshilfe Kelkheim Kollekte gesammelt.

Ende Mai kamen zum Kindergottesdienst in die Kindertagesstätte Arche Noah ca. 30 Kinder verschiedener Altersgruppen mit ihren Eltern. Im Mittelpunkt stand die Geschichte von Abraham, der sein Land auf Gottes Befehl mit seiner Familie verließ. Die Kinder hatten die Möglichkeit, die Geschichte nachzuspielen und sie so besser zu verstehen. Anschließend übergab ein Kind die gesammelte Kollekte in Höhe von 250 € an die Flüchtlingshilfe Kelkheim. Petra Nega-Aach, ehrenamtliche Helferin der Flüchtlingshilfe Kelkheim, nahm diese entgegen und erzählte über die Arbeit der Flüchtlingshilfe Kelkheim, ganz im Speziellen über die Kinder- und Deutschkurse.

Das gespendete Geld soll speziell für die Kinderarbeit der Flüchtlingshilfe verwendet werden. Beim gemeinsamen Picknick nutzten die Erwachsenen im Anschluss an den Gottesdienst die Gelegenheit, sich über die Arbeit der Flüchtlingshilfe Kelkheim zu informieren. (pna)

 

Der Weg zur Integration

Von der Ankunft bis zum Einleben

Der Herbst 2015 war für viele von uns eine sehr ereignisreiche Zeit. Innerhalb weniger Wochen wurde die Flüchtlingsunterkunft in der Frankfurter Straße in Kelkheim mit vielen Familien aus Syrien und Afghanistan, 2 Ehepaaren aus Syrien und dem Irak sowie einer jungen syrischen Frau bevölkert. 

Zunächst waren wir damit beschäftigt, diese Familien bei ihren Behördengängen zu begleiten. Unter anderem begleiteten wir die Familien bei der Schulanmeldung nach Rüsselsheim. Hierbei entstand ein guter Kontakt besonders zwischen den Kindern und mir. Gemeinsam mit einigen anderen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Flüchtlingshilfe Kelkheim erstellten wir „Pläne“ für die sogenannten „Kinderkurse“ am Vormittag und den Deutschkursen am Nachmittag. Der Gemeinschaftsraum in der Unterkunft wurde eingerichtet und viele Spiel- ,Bastel- und anderen Lernmaterialien, welche von vielen Menschen gespendet wurden, unterstützen uns bei dieser Arbeit. Jeden Sonntag freute ich mich schon auf Montagvormittag und die Arbeit mit den Kindern. Besonders in Erinnerung bleiben bei mir die Schminkaktion für die Kinder während der Faschingszeit oder die Besuche mit den Kindern beim Bilderbuchkino in der Stadtbibliothek.

Als in der Paulusgemeinde das Cafe International immer montags und freitags geöffnet wurde, fand der Kinderkurs parallel zum Cafe in den Räumen des Gemeindehauses statt. Hier beteiligten sich auch Kelkheimer Kinder beim Kinderkurs. In den Osterferien organisierten wir für die Kinder einen Ausflug zu einem nahe gelegenen Spielplatz. An diesem Tag begann der Main-Taunus-Kreis damit, die Flüchtlinge in andere Unterkünfte zu verteilen. Die erste Familie, welche an diesem Tag auszog, bekam eine eigene Mietwohnung in Hofheim. Nun sind die Familien in Kelkheim und Liederbach in anderen Häusern untergebracht worden. Für uns kam nun auch die Zeit unsere Materialien zu packen. Übrig von dieser Zeit in der Frankfurter Straße bleiben viele Erinnerungen.

Die Kontakte zu den Flüchtlingen bestehen weiterhin, wir helfen den Kinder die deutsche Sprache zu erlernen, ihre Eltern beim Alltag in Kelkheim zu begleiten, für Sorgen und Probleme da zu sein und vor allem, dafür zu sorgen, dass die Integration gelingt.  Ein Anfang hierfür war ein gemeinsames Essen der Flüchtlinge mit Gemeindemitgliedern der St.Dionysiusgemeinde, Münster am 12.Mai 2016. Die Schulkinder besuchen jetzt  Kelkheimer Schulen und viele der jüngeren Kinder sind in die Kelkheimer Kindergärten integriert. Auch ist schon ein neuer Raum in Aussicht, welcher für unsere Kinderkurse und Deutschkurse genutzt werden kann. Also auf zu „neuen“ Ufern!

(Petra Nega-Aach)

 

Integration geht durch den Magen

Sich miteinander an einen Tisch setzen

Bereits einige Wochen vorher begann die Planung für ein gemeinsames Kochen mit den Flüchtlingen  und sich anschließendem gemeinsamen Essen in der katholischen Kirchengemeinde St. Dionysius Kelkheim.  Am Donnerstag, den 12.Mai 2016 war es soweit: In der Küche des Pfarrzentrums kochten mehrere pakistanische Männer und verzauberten mit dem Duft des zubereiteten Essens die Räumlichkeiten. Da sich auch Kelkheimer Neubürger aus anderen Unterkünften beteiligten, mag sich die Anreise aus der Vogelperspektive über Kelkheim schön angesehen haben. Sie kamen sozusagen aus allen Himmelsrichtungen an, um ihre Landesspezialitäten auf dem Buffet im Pfarrzentrum zu platzieren und dann ging es los: Um die 90 Personen konnten sich an einem reichhaltigen Buffet bedienen - gestaltet mit Speisen aus Syrien, Eritrea, Pakistan und Afghanistan.

Drei große, lange Tafeln waren mit Blumen liebevoll geschmückt. Viele Gäste hatten sich festlich gekleidet. Die Getränke wurden von der  Gemeinde zur Verfügung gestellt. Einige der Gäste hatten  sich schon länger nicht mehr gesehen und so  gab es viel miteinander auszutauschen. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Flüchtlingshilfe Kelkheim nutzten den Abend, Personen gegenseitig bekannt zu machen. Unter anderem wurde von einer Veranstaltung der Pfadfinder der Gemeinde informiert. Obwohl die Aktion der Pfadfinder für Kinder gedacht ist, waren die Väter der Kinder davon so begeistert, dass sie am liebsten selber mitmachen würden.

Diesen schönen Rahmen nutzten auch Hans-Dieter Höhn und Ingrid Hartleb vom Vorstand des Sängerkreises Main-Taunus, um eine Spende von 800 € zu übergeben (s. Bild). Dieses Geld wurde bei einem geistlichen Konzert im März gesammelt als 20 Chöre in der Kirche von St. Dionysius musizierten. Am Ende eines gelungenen Abendessens stand gemeinsames Aufräumen und Saubermachen - mit vielen helfenden Händen war alles schnell wieder im Urzustand.

 Alles in allem, ein gelungener Abend, welcher bestimmt bei allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.

(Sabine Kurz, Doris Mader und Petra Nega-Aach)

 

Zwei Jugendliche starten beim 1. Staufen-Lauf

Am Samstag, den 16.04.2016 richtete der Skiclub Kelkheim den 1. Staufen-Lauf aus. Pünktlich um 14:00 Uhr schickte Bürgermeister Kündiger die Teilnehmer auf die anspruchsvolle Strecke rund um den Staufen.

Am Start waren auch zwei Jugendliche aus der Flüchtlingsunterkunft Frankfurter Straße. Mahdi, 17 Jahre, und Hamed, 14 Jahre, spielen in der Fußball­gruppe, die sich seit März jede Woche auf der Sportanlage der SG Kelkheim unter der Leitung von Peter Mauer trifft. Beide hatten noch nie in ihrem Leben einen Lauf über 11 km absolviert. Aber als Mafalda Pinto-Schneider für eine Startmöglichkeit gesorgt hatte, waren sie hochmotiviert.

Vor dem Start konnte Peter Mauer spontan zwei Läufer ansprechen, die den beiden ein angemessenes Tempo zeigen wollten, damit sie sicher das Ziel erreichen. Die Überraschung war dann groß, als Mahdi kurz nach dem Gewinner des Laufes als Neunter in einer hervorragenden Zeit das Ziel erreichte. Unterwegs hatte er gemerkt, dass er mit dem Tempo im vorderen Feld gut mithalten konnte und seine Begleiter nicht benötigte. Mit etwas mehr Erfahrung wäre er sicher noch weiter vorne gelandet. Für Hamed, der einer der jüngsten Teilnehmer war, ging es dagegen vor allem ums Durchhalten und Ankommen. Mit einem Lächeln auf den Lippen lief er am Ende des Feldes über die Ziellinie.

Als der  Ausrichter des bekannten ARQUE-Laufes und des Skyruns im Frankfurter Messeturm, Michael Lederer, von der Teilnahme der beiden Flüchtlinge erfuhr, lud er sie spontan zum diesjährigen Skyrun ein. Somit steht das nächste besondere Lauferlebnis schon fest. Am 15. Juni geht es über mehr als tausend Stufen in die Spitze des Messeturms. (pm)

 

It's Tea Time

„Sprechstunde“ beim AK Fischbach in lockerer Atmosphäre

Stimmengemurmel erfüllt den Saal der St. Johannes Gemeinde. Um die vierzig Menschen sitzen an den u-förmig aufgestellten Tischen und unterhalten sich. Thermoskannen mit Tee und Kaffee stehen auf den Tischen, Kuchen und Gebäck laden zum Essen ein. Flüchtlinge und Helfer haben gemeinsam die Tische gedeckt. Es ist Mittwoch, früher Abend, draußen ist es schon dunkel. Aber hier drinnen ist Licht, nicht nur die Kerzen leuchten, auch die Gesichter der Menschen.

 

Seit Oktober letzten Jahres bietet der Arbeitskreis Flüchtlinge der St. Johannes Gemeinde in Fischbach eine Teestunde an. Die Organisatorinnen wollten einen Raum zum miteinander Reden und sich Kennenlernen bereitstellen. Die Flüchtlinge sollen eine Gelegenheit bekommen, sich auch außerhalb der Gemeinschaftsunterkünde mit Freunden und anderen Menschen treffen zu können. Es ist ebenso eine Gelegenheit für die vielen Helfer, auch einmal in anderem Rahmen mit den Flüchtlingen zusammenzukommen – nicht nur bei Fahrdiensten oder Deutschkursen.

 

An einer langen Tischseite sitzen Frauen, die Kopftücher lose um den Kopf gebunden, neben ihnen die Ehemänner, die Kinder entweder auf dem Schoß oder schlafend im Kinderwagen. Eine Helferin unterhält sich mit den afghanischen Flüchtlingen mit Hilfe eines jungen Mannes, der Dari und Englisch spricht. Sie will herausfinden, welche Sportarten die Kinder gerne machen möchten.
An der Stirnseite sitzt eine weitere Helferin. Sie hilft einem jungen Syrer, dessen Asylantrag anerkannt wurde, beim Ausfüllen verschiedener Formulare. Auch sie wird dabei von einem jungen Mann unterstützt, der Arabisch und inzwischen schon recht gut Deutsch spricht.

In einer Ecke sitzt ein junger Mann und verfolgt ein Kricketspiel auf seinem Smartphone. Leider kann er diese Sportart hier nicht ausüben. Aber wenigstens anschauen! In der anderen Ecke versuchen sich junge Ostafrikaner in Konversation mit deutschen Helfern. Sie sind stolz, ihre Sprachkenntnisse anwenden zu können.

Am Ende wird gemeinsam aufgeräumt und noch ein letzter Plausch gehalten, während die Spülmaschine läuft.

 

Für uns Organisatorinnen ist die Teestunde ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit mit den Flüchtlingen. In diesem Rahmen findet sich immer ein Übersetzer, der uns hilft, Informationen an die anderen weiterzugeben. Sei es, dass wir Fragen zu Formalitäten erklären, den Fischbacher Karneval erläutern, zur Waldweihnacht einladen oder die örtlichen Sportangebote abklären. (brh)

 

Alle reden über Flüchtlinge

lch rede über Ali, Maria und Khodar, Rama, Zaynab und Mariyam

Artikel von Sandra Jörges aus dem Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Kelkheim (März 2016)
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Integration geht durch den Magen

Gemeinsam austauschen und essen mit Flüchtlingen

Es ist schon Tradition, dass der Arbeitskreis (AK) Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim den Flüchtlingen die Möglichkeit gibt, traditionelle Gerichte ihrer Heimatländer zu kochen und Gäste einzuladen. Die ca. fünfzig Besucher - Mitglieder der Kirchengemeinde St. Josef in Kelkheim-Eppenhain sowie Flüchtlinge, die in den Gemeinschaftsunterkünften in Eppenhain und Ruppertshain leben - hatten Ende Februar beim "Afghanischen Buffet" im Gemeindehaus St. Josef die Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen sowie zum kulinarischen Austausch. Bereits am Nachmittag trafen sich die "Köche" aus Afghanistan, Eritrea und Somalia, um gemeinsam traditionelle afghanische Gerichte vorzubereiten. Es gab zum Beispiel als Vorspeise Joghurt mit Minze sowie eine Suppe (Badem jan borani), dazu Fladenbrot, zum Hauptgericht Reis mit Rosinen und Karotten (Ghaboli ba goshte teke), Lamm mit verschiedenen Gewürzen (Zereshk Polo ba morgh) und Huhn (shir berenj), dann Milchreis mit exotischen Gewürzen als Dessert.

"Mit diesem Projekt wollen wir zum Austausch zwischen den unterschiedlichen Kulturen beitragen", so Salomé Korschinowski, Koordinatorin des AK Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim. Sie kündigte an, solche Veranstaltungen fortzusetzen: Am 11. März 2016 können die in Ruppertshain lebenden Flüchtlinge die deutsche Küche kennen lernen. Ein Team des AK Ruppertshain ist bereits dabei, die Gerichte für diesen Abend zusammen zu stellen. (akh)

 

Ausdrucksmalen für Flüchtlinge

Hände malen, was Worte nicht ausdrücken können

Zum Ausdrucksmalen hatte Ute Hausotte sechs Flüchtlingsfrauen, die zur Zeit in Ruppertshain leben, in ihr ”Atelier amtaunus” auf dem Zauberberg eingeladen. Im Begegnungsraum hieß es erstmal ankommen, ein kurzes Anfangsgespräch leitete in das Thema „Ausdrucksmalen“ ein. Dann wurden Schürzen und Schuhe verteilt. Beim Ausdrucksmalen wird vor allem mit den Händen gemalt, dies ist wichtig, um einen emotionalen Zugang zum eigenen Bild zu finden. „Hände malen, was Worte nicht ausdrücken können“, so Ute Hausotte. Zum Verfeinern der Bilder dürfen bei Bedarf Pinsel oder zum groben Bearbeiten Spachtel und andere Utensilien verwendet werden.

Vorkenntnisse oder „Begabung“ sind für das Ausdrucksmalen nicht notwendig, und so konnte jeder rasch mit dem Gestalten seines großformatigen Bildes starten. Dabei werden weder Maltechniken vermittelt noch Themen vorgegeben. Allein das Malen steht im Vordergrund - das Erleben neuer, kreativer Seiten an sich selbst und das Eintauchen in die eigene innere Welt. Die Künstlerin stand die ganze Zeit als stützende Begleitung zur Seite. Die Faszination des Ausdrucksmalens liegt darin, dass jeder auf Anhieb malen kann, da es kein richtiges oder falsches Malen gibt. Nach einer Stunde – die sehr schnell verging – hingen farbenfrohe und ausdrucksstarke Bilder an den Wänden. Nebenbei wurden neue deutsche Worte gelernt oder vertieft, sei es das Nennen der Farben, Landschafts- und Naturbeschreibungen oder Gefühle. Und beim nächsten Mal können die Bilder mitgenommen werden und einen Ehrenplatz zu Hause finden – denn die nassen Bilder trocknen erst einmal im Atelier. (akh)

 

Flucht als gemeinsames Thema

Konfirmandinnen und Konfirmanden gestalten Einführungsgottesdienst

„Gib uns Frieden jeden Tag ...“ - dies war eines von vielen Liedern im Gottesdienst der evangelischen Paulusgemeinde Kelkheim am 31. Januar, der von den diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie der Jugendband der Gemeinde geplant und durchgeführt wurde. Das Thema „Flucht“ stand dabei im Mittelpunkt.

Nachdem aus der Bibel die Flucht aus Ägypten gelesen wurde, gelang es den Konfirmandinnen und Konfirmanden, durch die ausgewählten Lieder wie „Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehn“ und ein live geführtes Interview mit einem afghanischen Mitschüler den Gottesdienst lebendig und aktuell zu gestalten. Die Gottesdienstbesucher erfuhren einiges über den Interviewten: Er flüchtete 2007 über den Iran und die Türkei nach Deutschland, nachdem zwei seiner Brüder durch die Taliban ermordet worden waren. Seine Großfamilie ist über die ganze Welt verstreut. Er selbst lebt mit seiner Familie in Kelkheim, geht hier in die Schule und arbeitet nun auch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Kelkheim. Dort ist er ein hilfreiches Bindeglied zwischen Flüchtlingen, den Ehrenamtlichen und den Behörden. Im Gottesdienst sprach er über den großen Wunsch der hier lebenden Flüchtlinge, schnell die deutsche Sprache zu lernen und dann auch eine Arbeit zu finden.

 

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden griffen die Kölner Ereignisse in der Silvesternacht 2015/16 auf und verlasen Fragen, welche seither wohl viele Mitbürger in Deutschland besonders zur anstehenden Faschingszeit bewegen.

In den Abkündigungen informierten sie über das Café International, für das stets Helfer und Kuchenspenden benötigt werden. Die Räumlichkeiten und Getränke für das Café stellt die Paulusgemeinde zur Verfügung.

Vor und nach dem Gottesdienst gab es im Vorraum der Kirche Gelegenheit, sich anhand einer ausgestellten Bilderserie über persönliche Äußerungen Jugendlicher zum Thema „Flucht“ zu informieren. Die Ausstellung stammt von der Hessischen Schulseelsorge.

 

Auf dem Nachhauseweg habe ich über das Schicksal der vielen Flüchtlinge im Laufe der Zeiten nachgedacht – vielleicht ging es anderen auch so? (pna)

 

Integration durch Tradition

Den Einladungen zur Weihnachtsfeier folgten viele Flüchtlinge und Helfer

Weihnachtsfeiern mit Flüchtlingen sind für die Arbeitskreise der Flüchtlingshilfe Kelkheim eine wichtige Möglichkeit, einen Einblick in deutsche Traditionen und Bräuche zu geben.

So luden sie die Flüchtlinge in die Kelkheimer Kirchengemeinden ein, um bei Weihnachtsplätzchen, die teilweise vorher gemeinsam selbst gebacken wurden, Stollen und Kerzenschein einen gemütlichen Abend zu verbringen.

 

Natürlich fehlten auch kleine Geschenke nicht. Bei einigen Feiern wurden die eingeübten Weihnachtslieder gesungen. Auch für die ehrenamtlichen Helfer waren die Feiern ein Erlebnis. Sie berichteten, wie viel Freude ihnen diese ehrenamtliche Arbeit macht und wie viel Dankbarkeit sie von den Flüchtlingen erfahren. (akh)

 

Flüchtlinge lernen deutsche Weihnacht kennen

Weihnachtswunschtanne ist leergepflückt

Die Kelkheimerinnen und Kelkheimer werden sich in den kommenden Tagen in Christkinder und Weihnachtsmänner verwandeln. Die drei „Weihnachtswunschbäume“ der Katholischen Kirchengemeinden Ruppertshain, Eppenhain und Fischbach sind leergepflückt. Kein Wunschzettel hängt mehr an den Zweigen. Die Flüchtlinge aus Ruppertshain hatten jeweils einen ihrer ganz persönlichen Wünsche aufgeschrieben oder aufgemalt. Zum Beispiel Elisa, die vor einem Monat ihr erstes Baby in Deutschland auf die Welt brachte und sich für ihre kleine Tochter warme Kleidung wünscht. Oder Garib aus Syrien, er wünscht sich wärmende Hausschuhe.

Die Geschenke sollten nun weihnachtlich verpackt zusammen mit dem „Stern“-Wunschzettel bis zum 9. Dezember 2015 in einer der drei Gemeinden abgegeben werden.

Im Kreise der Flüchtlinge und ehrenamtlichen Helfer unter geschmücktem Baum, bei Kerzenlicht und Weihnachtsgebäck werden sich viele der kleinen Wünsche erfüllen. Ein weihnachtlicher Zauber, der den Flüchtlingen die Möglichkeit gibt, den deutschen Weihnachtsbrauch kennenzulernen.


Eine ähnliche Aktion führt die evangelische St. Johannes Gemeinde durch. Seit dem 1. Advent werden stilisierte Christbaumkugeln mit Weihnachtswünschen der Fischbacher Flüchtlinge sowie der in Eppenhain untergebrachten jugendlichen Migranten an die Gottesdienstbesucher verteilt. Wer den Gottesdienst versäumt hat, kann sich eine Wunsch-Kugel im Gemeindebüro abholen. (akh)


Wahlen zum Ausländerbeirat

Demokratie erleben

In allen hessischen Kommunen finden am 29.November 2015 die Wahlen zum Ausländerbeirat statt. Der kommunale Ausländerbeirat ist das einzige politische Gremium, für das auch Asylbewerber stimmen können. Die Voraussetzung dafür ist, dass man seit drei Monaten im Ort gemeldet ist. Alle Wahlberechtigten haben ein Anschreiben der Stadt Kelkheim erhalten, mit dem sie über die Wahl informiert wurden. Das Schreiben ist in deutscher Sprache verfasst, sodass es verständlicherweise Rückfragen gab. Vom Arbeitskreis (AK) Ruppertshain wurden deshalb kurzfristig zwei Veranstaltungen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft organisiert. Zielsetzung war, die Aufgaben des Ausländerbeirats in möglichst vielen Sprachen zu erklären und die Asylbewerber zu ermutigen, sich aktiv an der Wahl zu beteiligen. Für viele der Menschen aus Krisengebieten ist diese Wahl die erste Möglichkeit, sich an einem demokratischen Entscheidungsprozess zu beteiligen.

 

In der ersten Veranstaltung wurden von Asylbewerbern Infoblätter u.a. in Arabisch, Somalisch und Tigrinisch verlesen und mit Hilfe von Übersetzern Fragen zur Wahl beantwortet. In der zweiten Veranstaltung ging es um praktische Themen. So wurde z.B. geklärt, wer von den Asylbewerbern zur Wahl gehen möchte. Der AK Ruppertshain organisiert für diesen Personenkreis entweder einen Bus oder eine Gruppenfahrkarte, denn es gibt nur ein Wahllokal in Kelkheim – den Gartensaal des Rathauses. (akh)

 

"Liebe Leben"

Mit Herzen und Friedenstauben dabei

Mitten in den Reihen der Aussteller des Kongresses "Medizin und Bewusstsein", der vom 13. bis 15. November in Königstein mit dem Kernthema "Liebe Leben" stattfand, hatte der AK Ruppertshain der Flüchtlingshilfe Kelkheim gemeinsam mit Flüchtlingen einen Tisch aufgebaut, um sich zu präsentieren. Katrin Reul vom AK Ruppertshain hatte dafür Herzen und Friedenstauben aus Gips angefertigt, die die Besucher mitnehmen durften.

 

Der Veranstalter des Kongresses, Wolfgang Maiworm, betonte in seiner Begrüßung, dass Flüchtlinge offene Herzen brauchen, und gab Salomé Korschinowski, Vertreterin der Flüchtlingshilfe Kelkheim des AK Ruppertshain, die Gelegenheit zur Vorstellung. "Wir sind ein Netzwerk ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, die Flüchtlinge willkommen heißen und beim Einleben unterstützen", sagte Korschinowski und fuhr fort: "Wir unterstützen die Flüchtlinge bei den Herausforderungen des Alltags, z.B. bei Behördengängen oder Arztbesuchen, bieten Deutschkurse an, Hausaufgabenbetreuung, organisieren gemeinsame sportliche Aktivitäten - um nur einiges zu nennen." Am Endes des Kongresses wurde der Inhalt der Spendenbox gezählt: 100 Euro für den AK Ruppertshain, der allen Spendern herzlich dankt und dieses Geld in neue Projekte investieren wird. Außerdem wurden viele neue Kontakte geschlossen. (akh)


Haus in der Frankfurter Straße wurde bezogen

Ankunft neuer Flüchtlinge

Es war Montag, 9. November kurz vor 17.00 Uhr - wie angekündigt - kamen ca. 40 neue Bewohnerinnen und Bewohner in der Frankfurter Straße an: darunter viele Familien mit mehreren Kindern – von wenigen Monate alten Babys bis zu ca. 12jährigen Schulkindern. Einige Familien stammen aus Syrien, andere aus Afghanistan und dem Iran.

In der frisch renovierten Unterkunft war alles vorbereitet, wenn auch die letzten Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen sind. Der Main-Taunus-Kreis war mit mehreren Mitarbeitern vor Ort, um die Ankunft zu koordinieren und zu betreuen, auch Bürgermeister Albrecht Kündiger kam. Ebenso war die Flüchtlingshilfe Kelkheim vor Ort.

Einige der neuen Bewohner sprechen gut Englisch, haben gleich nach Deutschkursen gefragt und können es kaum erwarten, bis die Kinder endlich wieder eine Schule besuchen können. Das war lange Zeit nicht mehr möglich, da sie in der Heimat ihre Häuser nicht mehr verlassen konnten. Die Neuankömmlinge sprangen untereinander als Übersetzer ein, wenn es Schwierigkeiten bei der Verständigung gab.

Jetzt, in den ersten Tagen nach der Ankunft, müssen viele praktische Dinge erklärt, gezeigt und geregelt werden wie z.B.: Wie funktionieren die Waschmaschinen, wo sind die Supermärkte und eine erste Bestandsaufnahme über die fehlenden Dinge. Dazu gehören vor allem warme Kleidung für die Kinder, Kinderwagen und Buggys sowie verkehrstüchtige Fahrräder. Die Flüchtlingshilfe Kelkheim wird dabei unterstützen.


Sambusas und Injera

Flüchtlinge in Fischbach kochen Somalisch

Anfang November gab es zum vierten Mal in diesem Jahr die Veranstaltung „Integration geht durch den Magen“. Die evangelische St. Johannes-Gemeinde in Fischbach hatte zu einem Somalischen Essen eingeladen. Selbstgebackenes Fladenbrot, Injera genannt und wichtiger Bestandteil der ostafrikanischen Küche, sowie verschiedene Gemüseeintöpfe und pikantes Lammfleisch begeisterten die Gaumen der Besucher. Nicht zu vergessen die leckeren Sambusas, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, eine weitverbreitete Spezialität in Afrika und Vorderasien. Tee, Kaffee und landestypische Süßigkeiten rundeten das Buffet ab.


Bereits am Vortag hatten die somalischen Köche, drei Frauen und ein Mann, mit den Vorbereitungen angefangen. Unterstützt wurden sie dabei von sechs deutschen Helferinnen. Die Eintöpfe wurden gekocht, das Hackfleisch geröstet und das Lammfleisch gedünstet. Am Mittwoch ging es weiter mit der komplizierten Zubereitung. Sambusas füllen und fritieren, Lammfleisch im Ofen schmoren, Salate zubereiten.

Am Abend war der Gemeindesaal gut gefüllt. Rund 80 Besucher, davon 30 Flüchtlinge, kamen miteinander ins Gespräch, tauschten sich in Deutsch oder Englisch aus. „So wünschen wir uns Integration!“, waren sich die Organisatorinnen des Arbeitskreises Fischbach einig.

 

Bürgerversammlung in der Stadthalle

Flüchtlinge – Leben in Kelkheim: Mitmachen und willkommen heißen

„Wir heißen die Flüchtlinge in Kelkheim willkommen und helfen dabei, sie beim Einleben in ihrem neuen Zuhause zu begleiten“, sagte Mafalda Pinto-Schneider, Vertreterin der Flüchtlingshilfe Kelkheim anlässlich der Bürgerversammlung „Flüchtlinge – Leben in Kelkheim“. Die Flüchtlingshilfe Kelkheim ist ein Netzwerk ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kelkheim, die sich auf unterschiedliche Art und Weise je nach Interesse, Fähigkeiten und Verfügbarkeit engagieren. „Die Flüchtlingshilfe Kelkheim hat bereits eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt, Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden sowie Sportvereinen“, so Pinto-Schneider weiter. Sie warb dafür, dass es wichtig ist, dass viele mitmachen: zum Beispiel bei der Fahrrad AG, bei Fahrhilfen für Arztbesuche, Hausaufgabenhilfe der Schulkinder und vielem mehr. Dass die Kelkheimer den Einsatz der Flüchtlingshilfe schätzen, zeigten sie mit großem Applaus. Auch der Bürgermeister sprach voll des Lobes über die Flüchtlingshilfe Kelkheim.

 

Es waren fast 500 Kelkheimerinnen und Kelkheimer, die der Einladung des Stadtverordnetenvorstehers Alexander Furtwängler zur Bürgerversammlung am 4. November 2015 in den Großen Saal der Stadthalle gefolgt waren. Sprecher waren Kreisabgeordneter Johannes Baron, Manfred Braun, Leiter der Polizeistation Kelkheim, Mafalda Pinto Schneider von der Flüchtlingshilfe Kelkheim und Bürgermeister Albrecht Kündiger. Sie informierten über die bestehenden und geplanten Wohneinrichtungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Integrationshilfen und weitere aktuelle Themen. Ziel dieser Veranstaltung war neben der Information zur aktuellen Situation, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Kelkheim Gelegenheit zu geben, um Fragen zu stellen. (akh)

 

Enactus-Stand beim Künstlermarkt in der Stadthalle

Großes Interesse an den Arbeiten des Flüchtlings-Projektes

Der Stand von Enactus und in Kelkheim lebenden Flüchtlingen - gleich am Eingang des Künstlermarktes - zog am Wochenende viele Besucher an. Das Interesse an den selbst hergestellten Vasen, Gläsern, robusten Holzregalen und dem Schmuck war riesig. So konnten zum Beispiel die mit viel Liebe gestalteten Kerzengläser, in die schon weihnachtlich Orangen und Nelken eingearbeitet waren, schnell ausverkauft werden. Hierfür wurden schon Vorbestellungen angenommen, denn die Gruppe aus Studenten und Flüchtlingen plant in diesem Jahr noch an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen, um die Produkte zu verkaufen. Auch Bürgermeister Albrecht Kündiger ließ es sich nicht nehmen am Stand vorbeizuschauen.

 

Bei den Produkten handelt es sich um die Arbeitsergebnisse des Flüchtlings-Projektes „HeimArt“, bei dem die Frankfurter Zweigstelle der studentischen Non-Profit-Organisation „Enactus“ und der „Runde Tisch Flüchtlingshilfe Kelkheim“ kooperieren. Gemeinsam mit den Flüchtlingen arbeiten Frankfurter Studenten einmal in der Woche in Kelkheim. So entstehen Regale aus Euro-Paletten, die verschiedene Firmen gespendet haben oder Gläser und Vasen aus alten Flaschen. Unterstützung erhalten sie von der Schreinerei Selig und Kleinsorge sowie von Spendern, die ihnen etwa Materialien für die Arbeit kostenlos zur Verfügung stellen. Ziel des Projektes ist es, den Flüchtlingen eine Abwechslung vom Alltag zu geben und die Möglichkeit, Kontakte zu den Studenten und zu den Kelkheimer Bürgern aufzubauen. (akh)